Musikkapelle: 150-Jahr-Jubiläumsfeier

August 1962

Es sind vier Musikkapellen in Tirol, die in die­sem Jahr auf einen 150-jährigen Bestand zurück­blicken können. Sie sind in Langkampfen, Fliersch, Tristach (Osttirol) und in Mils. Wobei zu erinnern ist, daß ihre Gründung in eine un-ruhige kampferfüllte Zeit fiel, standen doch da­mals Nord- und Osttirol unter bayrischer, Südti­rol unter italienischer Verwaltung, und die Wun­den, die das Aufstandsjahr 1809 geschlagen hat­te, waren noch bei weitem nicht vernarbt. Das Tiroler Volk fieberte vor Unruhe und ersehnte die Befreiung von fremder Herrschaft. Daß sich in solchen schweren Zeitläufen Männer dazu be­reit fanden, ein friedliches Werk, die Gründung einer Musikkapelle, in Angriff zu nehmen, ge­reicht noch heute dem Dorfe Mils und seinen Bewohnern zur großen Ehre.

Es war wohl eine Selbstverständlichkeit, daß das 150-jährige Gründungsfest der Milser Musik in würdiger und erhebender Weise von den Nachfahren jener alten Milser gefeiert wurde, die bei der Verteidigung der Heimat nicht nur zum Stutzen, sondern auch zum Musikinstru­ment gegriffen haben, um ihren einstigen Mitbür­gern durch ein schönes Spiel Freude zu machen und dem Dorfe Ansehen zu bringen. In den 150 Jahren ihres Bestandes ist die Milser Musikka­pelle aus kleinen Anfängen heraus ein wohlor­ganisierter und festgefügter Klangkörper gewor­den, der im Laufe der Jahrzehnte bei vielen Wettbewerben erste Preise erzielte, sich hervor­ragend platzierte und ein beispielhaft musikali­sches Können erwerben konnte.

Die gebotene Gelegenheit zur verdienten Ehrung fand sich bei der Bestandsfeier am 18. und 19. August. Sie wurde am Abend des 18. August mit einen Fackelzug unter Vorantritt der Musik unter Tambourmajor Hans Posch einge­leitet. Er führte durch die Hauptstraßen des Ortes zum Vereinshaus, wo sich zum Festabend zahlreiche Ehrengäste und Musikfreunde einge­funden hatten. Fanfarenklänge leiteten die Be­grüßungsansprache des Musikobmannes Andreas Klingler ein. Er gab seiner Freude Ausdruck, daß zu dem Fest erschienen waren: Der Obmann des Landesverbandes der Blasmusikkapellen Tirols, Hofrat Dr. Schumacher, der Bezirksob­mann Schnitzer (Hall), BM. Vogelsberger mit allen Gemeinderäten, der hw. Ortspfarrer Wille, Gendarmeriekommandant Bucher (Hall), Musik­kameraden aus den benachbarten Gemeinden und aus der Schweiz, sowie eine Vertretung der örtlichen Feuerwehr. Ein Begrüßungsschreiben hatten gesandt das älteste Ehrenmitglied der Musik, Ing. Dreger, ein fast 90jähriger Mann, der der Musik auch 1000 S widmete. In einem Glück­wunschschreiben der Absamer Bürgermusik kam die innige nachbarliche Verbundenheit mit der Jubelkapelle zum Ausdruck. Von Kapellmeister Otto Ebenbichler trefflich dirigiert, erklangenein „FestlichesVorspiel" und die heroische Ouvertüre zu Verdid Oper „Nabucco".

In seiner Festansprache hon Obmann Klingler die Bedeutung der Musik als Kulturfaktor im dörflichen Leben und Geschehen hervor. Die harmonische Zusammenarbeit finde ihren festen Rückhalt in einer treuen Kameradschaft„ die der Jugend von heute zum Vorbild dienen solle. Daß so hohe sittliche Werte in einer Zeit des Mate­rialismus überhaupt bestehen können, sei das primäre Verdienst musikbegeisterter Idealisten.

Der Chronist der Milser Musik, Josef Waldner, konnte aus dem Vollen schöpfen, denn es wird kaum noch eine Musikkapelle in Tirol geben, die eine derart genaue Chronik geführt hat, wie jene von Mils. Von Freud, aber auch von viel Leid wußte der wortgewandte Redner zu erzählen, und wir behalten uns vor, auf einige der humor­voll dargebrachten „Scherenschnitte" aus dieser Chronik noch zurückzukommen.

Namens des Landesverbandes beglückwünsch­te Obmann Hofrat Dr. Schumacher in aller per­sönlichen Verbundenheit die jubilierende Musik, würdigte ihre Leistungen und Opfer, ihren Idea­lismus und ihre Begeisterung am Klang, dem sie eineinhalb Jahrhunderte bestens gedient hat und damit zu einer der besten Musiken des Lan­des wurde. So wie die Alten, sollten es auch die Jungen halten. Der Redner überreichte als Ehren­geschenk ein neues schönes Chronikbuch, da das alte bis auf die letzte Seite bereits vollgeschrie­ben ist. Er schloß daran den Wunsch, daß in dem neuen Buch nur Frohes zu verzeichnen sei. Na­mens der Gemeinde sprach BM. Vogelsberger den Musikanten aufrichtige Glückwünsche, den besten Dank und die vollste Anerkennung aus und appellierte auch seinerseits an die Jugend, sich der Musik zu widmen, denn ohne sie gäbe es kein kulturelles Leben im Dorf.

EHRUNG ALTER MUSIKER

Für mehr als 40-jährige treue Mitgliedschaft bei der Musik überreichte Hofrat Dt. Schuma­cher die goldene Verbandsmedaille den Musi­kern Max Angerer, Karl Strickner und Sepp Leichter. Mit einem schönen Foto, ein Gruppen­bild der Musik, wurden namens der Gemeinde vom Bürgermeister bedacht die vorhin erwähn­ten drei Musiker, ferner noch Alois Wechselberger, Franz Plankensteiner, Peter und Josef Wald­ner, Franz Strickner und Sebastian Klingler. Für diese Ehrung dankte Max Angerer dem Ver­bandsobmann und dem Bürgermeister namens aller Musikkameraden. Für die' Feuerwehr be­glückwünschte deren Kommandant, Franz Hau­ser, für die Schützen August Hiertl die Jubel­kapelle, schließlich sprach noch, aus einem rei­chen Erinnerungsschatz schöpfend, Altbürger­meister und Ehrenmitglied Alois Zimmermann herzliche Worte, die einer innigen Zuneigung entsprangen.

Der dem Anlaß trefflich angepaßte Marsch „Alte Kameraden" beschloß den offiziellen Teil des Festabends; an ihn schloß sich ein frohes klangvolles Konzertieren, das den vielen bei­fallsfreudigen Zuhörern Kurzweil und Freude bot.

Am Sonntag war ein Festgottesdienst, musi­kalisch umrahmt von Variationen zur Haydn-Messe, gespielt von der Jubelkapelle. Pfarrer Wille fand in seiner Predigt sehr sinnige Ge­danken, die dem feierlichen Anlaß gerecht wur­den. Mils hat jedenfalls in seinem neuen Pfarrer einen sehr guten Kanzelredner erhalten. Vor dem Kriegerdenkmal fand anschließend eine würdige Ehrung der gefallenen Kameraden statt: Die stramme Schützenkompanie unter Komman­do des Hauptmannes Hirschhuber schoß eine exakte Generaldecharge, die Musik intonierte eine Trauerweii-e und das Lied vom guten Ka­meraden.

Am Nachmittag konzertierte am grünen Fest­platz bei der Taubstummenanstalt die Retten­berger Musikkapelle; diesem Kunstgenuß schlos­sen sich bis 20 Uhr ein Tanz im Freien und von da an bis in die tiefe Nacht hinein eine Tanzunterhaltung im überfüllten Vereinshaus an. 

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