Pfarrkirche - Baugeschichte

Baugeschichte der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Mils:

 

Wenn in einer Urkunde 1215 ein „Fridericus plebanus de Mulles" also ein Friedrich Pfarrer von Mils erwähnt wird, so kann davon ausgegangen werden, dass es damals bereits ein Gotteshaus in Mils gegeben hat. Von diesem Gotteshaus ist nichts mehr zu sehen. Leider wurden bei den jüngsten Renovierungen keine archäologischen Bodenuntersuchungen in der Kirche vorgenommen. Sicherlich wäre man da auf die Fundamente der Vorgängerbauten gestoßen. Von 1359 sind Stiftungen für Messen an „Unsere Lieben Frauenkirche" zu Mils urkundliche überliefert. Möglicherweise wurde die Kirche 1415, als bei einem der Bayerneinfälle sämtliche Dörfer um Hall in Brand gesteckt wurden, zerstört. Ein Hinweis dafür ist auch, dass um 1420 das neuen Milser Gnadenbild entstand. Vom gotischen Bau der Kirche ist sicherlich noch die nördliche und ein Teil der westlichen Kirchenschiff-Mauern erhalten geblieben. Dies ist außen an dem Kaffgesims und an den Dreiecklisenen aus Höttinger Breccie zu erkennen. Dieser spätgotische Bau stammt von Meister Narziß Pecherer. Nach einer Urkunde des Archivs des Schlosses Schneeburg wurde 1453 unter den Baumeistern Hanns Äberser und Otto Scheffler um 34 Pfunde Perner und 4 Kreuzer das Dach der Kirche errichtet. Die Kirche hatte bis zum Brand 1791 eine Turm mit steilem Spitzdach. 1475 besserte der Maler Jörg aus Hall das von der Stadt Hall gestiftete Glasgemälde mit 390 Butzenscheiben aus.


1490 erhält die Pfarrkirche eine Seitenkapelle zu den 14 Nothelfern, die der Schwazer Bürger Christian Möltl errichten ließ. Diese Seitenkapelle war vermutlich an der südlichen Langhausmauer der damals schmäleren gotischen Kirche angebaut. Im April 2003 konnte bei Grabarbeiten an der Außenseite der Kirche das Fundament einer Mauer freigelegt werden, das in einem Abstand von 2 Meter parallel zur südlichen Langhauswand verläuft. Die gotische Pfarrkirche dürfte ursprünglich um etwa 3 Meter schmäler als der heutige Bau gewesen sein, sodass das aufgefundene Fundament wahrscheinlich die südliche Außenmauer der in der Art eines niedrigeren Seitenschiffes angebauten Möltlschen Kapelle zu den 14 Nothelfern war.


1587 erhält über Auftrag Erzherzog Ferdinands II. der Haller Maler Hans Maisfelder 208 Gulden „für sein verbrachtes Malwerk an Unserer Lieben Frauen Gotteshaus zu Mils". 1597 war die Kirche wegen des Erdbebens baufällig. 1653 weihte Weihbischof Jesse Perkhofer in der Pfarrkirche einen Seitenaltar zu Ehren des hl. Josef. 1662 ist von einem beschädigten Dach und zerbrochenen Fenstern die Rede, aber bereits 1666 war alles wieder in Ordnung. 1678 hat ein Windstoß das hintere Eck der Kirchenmauer eingeworfen und dadurch das Gewölbe und die Orgel zerstört. 1765 schreibt Pfarrer Wolf, dass er den ganzen Chor mit Freskomalerei und Stukkaturen mit acht marianischen Symbolen ausschmücken hat lassen. In der Möltelschen Stiftskapelle wurden die Fenster erneuert und die Kanzel renoviert. Außerdem ließ er die Gnadenmadonna auf den Hochaltar und in einen Strahlenkranz stellen und die Ölberggruppe bei der Sakristei höher anbringen.1783 erwarb Pfarrer Popp vom aufgelösten Klarissenkloster in Hall (heute Psychiatrisches Krankenhaus) eine wertvolle Orgel und das Kirchengestühl. Aber bereits am 23.August 1791 wurde alles ein Raub der Flammen. In den folgenden Jahren wurde der Wiederaufbau der Pfarrkirche durchgeführt, wobei die Leitung in den Händen des k.k. Hofbauamts- und Rechnungsführer Franz Josef Naus lag. Pfarrer Popp erwarb die drei Altäre aus der Kirche des aufgehobenen Regelhauses in Innsbruck und ihm schwebte auch vor, das Innere der Kirche durch den berühmten Tiroler Maler Josef Schöpf mit Fresken ausschmücken zu lassen. Dazu ist aber nicht mehr gekommen. 1837 kam es zu einigen Renovierungsarbeiten in der Pfarrkirche: der erste Blitzableiter in Mils wurde am Kirchturm montiert. Dem Mundler von Thaur (Josef Romed Kramer 1783-1855) wurden 36 Gulden für Malerarbeiten in der Pfarrkirche bezahlt. Ein gewisser Hägele schuf die beiden Portale (Opferbögen) beim Hochaltar, 1861 versah der Maler Grissemann aus Grins die Kirche mit Dekorationsmalereien. Die nächste umfassende Renovierung erfolgte in den Jahren 1907/08 aus Anlaß des 1000jährigen Jubiläum des Milser Gnadenbildes unter Pfarrer Alois Mair. Aus dieser Zeit stammen die Deckengemälde von Rudolf Margreiter und das Mosaik an der Eingangsfassade. Die Vorhalle beim Portal erbaute 1913 Baumeister Josef Bair aus Absam. Sie musste 1955 wegen Baufälligkeit von Baumeister Mairamhof praktisch neu errichtet werden. 1945 fielen etwa 20 Fliegerbomben auf Mils, die zwar kein Haus direkt trafen, aber die Front des Kirchenwirtes. Die Kirche wurde durch die mächtige Linde geschützt, sodass nur die Fenster zerstört wurden. 1964 wurde das Äußere renoviert und 1976/77 das Innere. Folgende Renovierungsarbeiten erfolgten in den letzten Jahren: 1994 die Orgelempore, 1995 wurde eine neue Orgel angeschafft, 1998 ein neuer Fußboden und ein neues Gestühl, 1999 wurden die Vergoldung der Altäre, 2000 die Altarbilder, 2001Wandmalerei bis einschließlich des Gesimses und 2002 die Opferbögen, die Kanzel, die Chorstühle, das Taufbecken und der Ambo. 2003 erfolgte die Außenrenovierung.


Bearbeitung: Dr. Krüpl

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