Pfarrerrede Umzug 2009

Heit graben wir den Bären ein, die Matschgerer laden dazu recht herzlich ein.

 

Liebe Trauergemeinde‚wir haben uns heute hier versammelt,

um uns von unserem Dorf, so wie wir es kannten, zu verabschieden.

Es ist nicht mehr so wie wir es kannten

wir und unsere Eltern und Bekannten

und vom Zirkus Krone die Zirkuselefanten.

Es gibt zu viele neue Ecken und auch Kanten

bei neuen Bauten – kleinen und imposanten.

Wenn wir nit wüssten, dass sie's besser kannten

Hätt´´ ma nix gegen die möchtegern- brillanten

nur zu den Bauherrn sehr charmanten

aber sonst doch eher arroganten

Bauherrn und Baudilettanten!

 

Liebe Leichtgläubige!

Christ sein heißt auch Mitgefühl zu zeigen! So lasset uns eine Gedenksekunde einschalten für das in Ehre und Würde alt gewordene Haselwanter - Haus! Die Kirche muss aber ihre mahnende Stimme erheben, denn diesem alten Haus wurde von der Gemeinde eine Sterbehilfe gewährt, man hat dem alten Haus leider nicht gestattet, in Ruhe und Frieden durch einen natürlichen Zerfall oder Einsturz das Zeitliche zu segnen!

[Denn die Kirche ist immer für die Natur – sonst wäre sie nicht gegen Verhütung und für die Ehelosigkeit der Priester – obwohl wir Katholiken sexuell noch besser dastehen als die Zeugen Jehovas, denn die lässt kener ein!]

Aber die Kirche zeigt sich auch zufrieden darüber, dass nun ein freier Blick vom Jugendzentrum zur Kirche möglich ist – das scheint manchen Jugendlichen gut zu tun, denn die Vandalenakte und Sachbeschädigungen sind seit dem Verschwinden des Haselwanterhauses ebenso fast verschwunden. Wie überhaupt die Kriminalität stark zurückgegangen ist – es wurde nur ein Christkind aus der Krippe gestohlen und beim Nah+Frischen Wedl 2x eingebrochen und der halbe Laden geleert – was einen Rückgang von 70% ergibt!

Über das Einhalten der Geschwindigkeit brauchen wir uns auch keine Sorgen zu machen. In 30 Jahren kommen auf einen Autofahrer 3 Pensionisten, die ihn anzeigen können!

Die Kirche sieht aber mit großer Sorge, wenn aus einem Wallfahrtsort mit aller Gewalt ein Wohlfahrtsort gemacht wird – koste es, was es wolle, nach dem Vorbild von Frau Holle.

 

Soll denn alles gratis sein?

Sogar das Kranksein und das Eingesperrtsein?

Die Liebe und das Unwohlsein

Der Hass auf Saddam Hussein

Es gibt nur noch Unzufriedensein

Das Sattsein und das Sauer-sein!

Das Fahren ohne Führerschein

Ein Gutschein auf den Heiligenschein!

Wer will denn da noch brav sein

In unserm netten Dörflein

Da verzicht sogar ich auf Huhn und Schwein

Und hau mir lieber einen Döner rein!

 

Aber wir bekennen uns auch zum Fortschritt, wo er uns angemessen erscheint! So wurde die neue Volksschule außen und innen nach dem neuesten Stand der Technik erstellt.

So toll wie diese Schule war noch keine

Und keine verschlang so viele Euro-Scheine.

Auch wenn die Tafeln selber schreiben

Feng-shui erhellt durch Fensterscheiben.

So erhoffen wir nicht den Griff nach fernen Sternen

Sondern dass die Kinder rechnen schreiben lesen lernen

Denn schon Paulus schrieb an die Irokesen,

euch schreib ich nix, lernt erst mal lesen!

 

Über die Farbe der Volksschule breite ich den Mantel des Schweigens. Mir fehlt aber der Glaube, wenn jemand behauptet, GRÜN ist die Farbe der Zukunft! Die Farbe der Zukunft ist SCHWARZ! Wir müssen alle einmal sterben und begleiten uns Ministranten mit schwarzen Umhängen auf dem letzten Weg!

 

Liebe Gläubige, hütet auch vor falschen Propheten!

Wie viele Wetterpropheten haben das Ende des Winters bei uns prophezeit – und dann diese Schneemassen, dass sogar die Jungbauern mit ihren Räumungsgeräten alt aussahen!

Was für eine falsche Prophezeiung!

Denn schon Paulus schrieb an die Korinther

zieht euch Socken an, es kommt der Winter!

 

Wir sehen auch mit Sorge auf das Rauchverbot!

Es war doch ein Akt der Gerechtigkeit, wenn Frauen und Männer nach dem Kirchenbesuch nach Hause kamen – die Frauen rochen nach Weihrauch von der Kirche, die Männer nach Pommes und Zigarettenrauch vom Kirchenwirt! Und jetzt soll diese Harmonie zerstört werden? Wird es nicht zu Ehekrisen führen, wenn nur mehr die Frauen stinken [riechen]?

Denn Paulus schrieb schon an die Griechen

Zieht Hosen an – soll besser riechen!

 

Mit großer Sorge erfüllt mich auch die Entwicklung des Weihnachtsfestes!

Wenn man beim Einkaufszentrum dez nicht aufpasst, wird man gleich selber mit eingepackt!

Die Weihnachtsmärkte schießen wie giftige Pilze aus dem Boden!

Auch hier spielt der Duft eine große Rolle: Wo es nach Eukalyptus riecht, gibt's Duftöle, wo's nach Zimt riecht, Lebkuchen und wo´s nach Speibe riecht – den Glühwein!

Denn schon Paulus schrieb an die Chinesen, die fernen:

Ein Frevel ists den Wein zu wärmen

Es rumort dann wild in den Gedärmen!

 

Und noch einige mahnende Worte an die jungen Burschen von Mils: Lasst euch nicht auf leichtfertige Liebschaften ein! Schaut nicht nur auf das liebliche Gesicht und nette Kleidchen, ich sage euch: schaut mehr, was darunter ist!

 

Lasset uns zum Schluss noch beten:

Lieber Gott,

schenk ein paar Stimmen dem Milser Kirchenchor

Weil er beim Musikantenstadl nur zum Winken war!

Lieber Gott,

erhalte unsern Dr. Steiner

Denn so viel ohne „Bomben" heilt sonst keiner!

Lieber Gott,

sende den Untritt-Leuten ein Azoren-Hoch

Sonst wird´s kalt in diesem Schattenloch!

Lieber Gott,

lass nicht die Post-ansteh-Warteschlange

Anwachsen bis zum Dorfeingange!

Lieber Gott,

ermuntere den Hermann Gäck,

dass er weiter spricht – frisch von der Leber weck!

Und ganz zum Schluss fordere ich euch auf, wie bei einer Predigt üblich, von Beifalls- und Ablehnungs-Äußerungen Abstand zu nehmen!

Denn schon Paulus schrieb an die Apachen

Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen!

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