Besiedlung Milser Heide

Daniel Swarovski zur Entwicklung der Milser Heide

„Es ist wohl etwas vom Be­glückendsten für einen Men­schen, wenn er im Rahmen sei­ner Möglichkeiten mitwirken kann, vielen seiner Zeitgenos­sen zu idealen Wohn- und Le­bensverhältnissen zu verhel­fen."  Daniel SwarovskiWohnen im Grünen: Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Dieses Siedlungsgelände in der Gemeinde Mils bei Hall in Tirol war noch im Zweiten Weltkrieg ein Truppenübungsplatz (sie­he Vogelsichtaufnahme aus dem Jahre 1953 auf Seite 46 und auf Seite 47 aus dem Jahre 1983). Wo einst Kampffahrzeuge über zerklüfteten Schotterboden rollten, steht heute eine Garten­heimsiedlung mit dem Charakter eines Villenvier­tels. Einfamilienhäuser mit entsprechend großer Grundparzelle verleihen der Landschaft einen parkähnlichen Charakter und somit mehr Grün, wonach sich die meisten Menschen sehnen und wofür sie gerne selbst Verantwortung tragen. Dies verschafft Vorteile für Gesundheit und Lebensqua­lität insgesamt. Beides wird durch die verdichtete Bauweise verantwortungslos den Menschen ge­genüber sträflich vernachlässigt.

„Es ist wohl etwas vom Be­glückendsten für einen Men­schen, wenn er im Rahmen sei­ner Möglichkeiten mitwirken kann, vielen seiner Zeitgenos­sen zu idealen Wohn- und Le­bensverhältnissen zu verhel­fen."

Daniel Swarovski

Besiedlung_Milserheide_3aIm folgenden berichte ich über eine weitere größere Siedlungseinheit: die Milser Heide. Es handelt sich um ein 153.022 Quadratmeter großes, leicht ansteigendes, nördlich der Ortschaft Mils gelegenes Gelände, das von un¬serer Firma im Jahr 1953 zu einem günstigen Preis von der Gemeinde Mils erworben wurde. Die Milser Heide wurde als Weide und bis 1954 zugleich als Truppenübungsgelände benützt. Diese Verwendung läßt sich bis zum Jahre 1795 zurückverfolgen. Die in der „Milser Kaserne" in Ausbildung stehenden Soldaten hatten dort ihren Übungsplatz. Ich selbst absolvierte meine Ausbildung beim österreichischen Militär in der Milser Kaserne Anfang 1938. Ich befand mich deshalb sehr oft auf der Milser Heide, und ich kann sagen, daß ich fast jeden Quadratmeter davon aus nächster Nähe „gründlich" kennenlernte. Dies geschah besonders beim sogenannten Robben (eine Art der soldatischen Fortbewegung in Bauchlage unter Zuhilfenahme der Ellbogen und Knie) und beim Üben des Sturmangriffes, der abwechselnd aus raschem Vorwärtslaufen und plötzlichem Sichhinfallenlassen bestand. Es kam auch vor, daß wir Schützenlöcher graben mußten, und deshalb weiß ich aus eigenem Erle-ben, daß das bucklige Gelände aus einer tiefen Schotterschicht bestand, die nur mit einer dünnen Humusschichte bedeckt war.

Als ich viele Jahre nach meiner unmittelbaren „Fühlungnahme" mit dem Gelände erfuhr, daß die Möglichkeit bestehe, die Milser Heide zu günstigen Bedingungen für Siedlungszwecke zu erwerben, habe ich mich sofort positiv dazu gestellt. Damals gekennzeichnet, so daß mit gutem Gewissen festgestellt werden konnte, daß die Besiedelung dieses praktisch unfruchtbaren Geländes die land-wirtschaftliche Produktion nicht be-einträchtigen würde.

Doch gerade die Unfruchtbarkeit des Geländes erwies sich als ein Hindernis, und es wurde uns wieder vorge-worfen, bauwillige Menschen auf eine unfruchtbare Schotterhalde zu locken. Aber ich konnte die Kritiker mit dem Hinweis beschwichtigen, daß wir aufgrund unserer regen Bautätigkeit im Werk Wattens über große Mengen Humuserde verfügen, die wir auf die Milser Heide schaffen können. Dies wurde dann auch verwirklicht, obwohl die Entfernung vom Bauaushub bis zur Milser Heide ca. 10 km beträgt.

Zur Ausarbeitung von Verbauungsplänen luden wir einige Architekten ein. Obwohl wir verlangten, daß jedes Haus von einem Garten umgeben sein soll, erhielten wir Vorschläge, die einen verdichteten Ortskern vorsahen.

 Der Arzt, der Schuldirektor und verschiedene Geschäftsleute sollten keinen Garten haben. Daß deren Kinder sich aber auch in einem Garten aufhalten möchten, wollten die Planeinreicher nicht einsehen.

So verwarfen wir die vorliegenden Pläne und gingen nach unserem bewährten Konzept vor. Das Ergebnis war eine Wohnsiedlung mit dem Charakter eines vornehmen Villenviertels. Eine Verdichtung des Ortskernes erübrigte sich, da es sich ja nur um ein Teilgebiet eines bestehen Ortes handelt.

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