Robert Oberhofer

 

2014-02-21 oberhofer r 1 nRoberts Leben ist auf das Engste mit der Geschichte des „Landhotel Reschenhof“ (vormals Gasthof Milserbrücke) verknüpft, und bei seinen Erzählungen werden Erinnerungen an  Christoph W. Bauers Roman „Im Alphabet der Häuser“ wach, in dem Menschen und Häuser zu einer Ortsgeschichte verschmelzen und Häuser zu Büchern werden, in denen das Ferne nahe rückt. Und auch die Geschichte des Gasthofes und der „Gastwirte-Dynastie“ Oberhofer ist fest verwoben mit der Geschichte von Mils.

Es war eine gänzlich andere Zeit, als Großvater Bonifaz Oberhofer von Meransen nach Tulfes zog, um  als Knecht zu arbeiten und 1894 in Mils das Bauernhaus „beim Lack“ kaufte und dort der erste Sohn Josef das Licht der Welt erblickte (1900). Nach einem kurzen Intermezzo in Schwaz erwarb man 1905 den Bauernhof „beim Resch“ in Mils (Bruder Franz schuf wenige Meter weiter den Grundstock der „Autodynastie“ Oberhofer).

 

Schon im Alter von 16 Jahren wurde Josef für die Teilnahme am 1. Weltkrieg rekrutiert, war mit Tiefenthaler Hansl am Monte Pasubio, kam in italienische Gefangenschaft, wo ihm aufgrund seiner Ehrlichkeit bald die Aufsicht über das Magazin der dortigen ital. Einheit übertragen wurde. 

Nach seiner Heimkehr brachte er sein Talent als „Bastler“ immer mehr zur Entfaltung: Eine eigene Feldschmiede und Haustischlerei wurde eingerichtet (heute noch existieren Fenster aus seiner Hand im Haus und auch bei der  im modernen Gebäude integrierten „Bauernstuben“  hatte er selbst Hand angelegt). 1935 heiratete er Marianne Wechselberger, Robert kam 1944 als fünftes Kind, als „Nachzügler“ zur Welt. Der durch seine Besonnenheit und  sein ruhiges, umgängliches Wesen geschätzte „Seppl“ wurde nach dem 2. Weltkrieg Bürgermeister (1947-1950), wobei er den  Großteil der Amtsgeschäfte in der Bauernstube erledigte.

oberh sUnd diese Bauernstube war dann auch das Fundament des 1955 begonnen Gastbetriebes, als man erkannte, dass mit „Kostgehern“ (zunächst Vertriebene, dann Arbeiter aus Haller Industriebetrieben) eine zusätzliche Einnahmequelle erschlossen werden kann. Der Name „Milserbrücke“ wurde von der damaligen Bushaltestelle an der Abzweigung nach Mils abgeleitet.  Sukzessive wurde das Gebäude den Bedürfnissen eines Gastbetriebes angepasst, so wurde 1957/58 ein Teil des Stalles in einen kleinen Speisesaal umgebaut (während des Umbaus war das Vieh im Schallerhaus, dem heutigen Gemeindezentrum, untergebracht. Nach diesem Umbau wurde die Landwirtschaft auf Schweine und Geflügel reduziert, bis sie 1964 ganz aufgelassen wurde).  

In der Folge war es Robert, der Jüngste, der das Heft immer mehr in die Hand nahm. Mit der Absolvierung einer  Privat-Handelsschule in Innsbruck, einer Kochlehre im renommierten Restaurant Delevo sowie mit  Aushilfsdiensten für seine Mutter Marianne (die sich in Küche, Waschküche und Gästezimmern abmühte)hatte er  geeignete Voraussetzung für ein stärkeres Engagement im Betrieb geschaffen. Schon 1964 stellte er seine Eltern nach deren Rückkehr vom Urlaub (den sie erstmals angetreten hatten!!) vor die Tatsache, dass ein neuer Parkplatz die Stelle der früheren Werkstatt, der Miststatt und eines Schupfens einnahm.

1967 heiratete er Rita Gruber – fünf Kinder sollten aus dieser Ehe hervorgehen. Bis 1969 wurde der frühere Stadel vollständig umgebaut, die neuen 9 Doppelzimmer waren erstmals mit Dusche und WC ausgestattet – die ersten in der Region.

Schon bald sollte sich herauskristallisieren, was den Robert während seiner Unternehmertätigkeit  auszeichnen sollte:  seine Bereitschaft und sein Mut, auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren und neue Wege einzuschlagen. Dabei sind Irrtümer natürlich nicht auszuschließen, aber die Familie stand auch bei einem „Blödsinn“ hinter ihm, wie er selbst einräumt.

In größte Schwierigkeiten kam er beim Ausbau des Speisesaales (mit exklusiver Holzdecke), als ein Teil des notwendigen Kreditvolumens nicht ausbezahlt wurde. Mit den Einnahmen aus gut besuchten Tanzveranstaltungen (insbes. mit dem „Münzerturm Echo“ und dem „Quintett Intermezzo“) konnte er sich über Wasser halten und sich in der Folge in den „goldenen 70er Jahren“ konsolidieren.

20157897Weitere Umbauten (der größte 1994 mit Erweiterung auf 4 Stockwerke und 78 Zimmer) waren teils technischen Notwendigkeiten (neue Küche 1981, moderne Waschküche 1984) geschuldet, vor allem aber Reaktionen auf rasch sich änderndes Klientel: Auf Fernfahrer folgten Bustouristen, auf diese Handelsreisende und als auch diese weniger wurden, wurde der Speisesaal zu Seminarräumen umgestaltet und so stellen heute Seminare die wichtigste Einnahmequelle dar. Das kulinarische Angebot wurde durch eine Pizzeria erweitert.  

Auch  der angrenzende Zeltplatz war lange Zeit ein wichtiges Standbein für den Betrieb, die Entwicklung zu Fernreisen mit Wohnwägen oder Wohnmobilen ließen die Belegung schrumpfen, so dass auch ein Teil dieses Areals in einen Parkplatz umgewandelt wurde.

Mit  dem Umbau 1994 wurde auch die Namensänderung auf „Landhotel Reschenhof“ (Kategorie 4 Sterne) vollzogen. 2002 wurde die Geschäftsführung an Roberts Sohn Günter übertragen, mit der Pacht des „Engel“ und des Parkhotels (mit Tochter Bettina als Geschäftsführerin) in Hall wurde das gastronomische Sortiment vergrößert.

Es hätte aber weder Roberts Charakter noch seinen Lebenserfahrungen entsprochen, hätte er sich nach der Übergabe komplett aus allem zurückgezogen. Mit viel Elan baute er eine Edeldestillerie auf, seine Spirituosen konnten mehrere internationale Preise erringen. Als Grundlage dafür begann er sogar mit  einem eigenen Obstbau östlich des Gewerbeparks. Für seine Verdienste wurde ihm 2011 das goldene Ehrenzeichen der Gemeinde Mils verliehen.

Ein immer noch agiler Mann also, der in keinen Jammerton verfällt, wenn es um die heutigen wirtschaftlichen Rahmenbedingen geht, obwohl er anmerkt, dass es die Jungen heute schwerer haben, weil Konkurrenz und Abgabenbelastungen enorm gestiegen sind.

 

Und so sieht man sich  einem Mann gegenüber, dem man seine fast 70 Jahre keineswegs zutrauen würde. Sein Handeln wirkt unangestrengt und jugendlich frisch, er scheint sich mit seinem verschmitzten, ja etwas lausbübischen Lächeln ein Stück Jugend bewahrt zu haben. 

Quelle: Dorfblatt 03 2014

 

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